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Rückführungen auf dem Luftweg


LH 588 - Hörbildpräsentation
Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Körperverletzung im Amt ein
Diskussionsveranstaltung "Abu Ghraib lässt grüßen"
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Neuer Prozess gegen BGS-Beamte nach Tod von Ageeb
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„Fahrlässige Tötung durch Unterlassen“
Die Fesselung von Aamir Ageeb bei seiner Abschiebung
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Tod bei Abschiebung
BGS-Beamte im Fall Aamir Ageeb wegen fahrlässiger Tötung angeklagt
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Fesselungen bei Abschiebungen
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Trug das Land Baden-Württemberg Mitverantwortung am Tod des abgeschobenen Sudanesen?
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Stellungnahme zum Gerichtsmedizinischen Gutachten
Rechtsmedizinisches Institut Uni München: Obduktionsbericht
ai: Jahresbericht Deutschland 2003
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Der Fall Aamir Ageeb
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Zur ewigen Ruhe gefesselt
Tod des Sudanesen Aamir Ageeb
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Redebeitrag im Namen der Studentlnnenschaft der KSFH München zum 1. Todestag
Gedenken an Aamir Ageeb am 28.5.2000 in München
Rede zur Gedenkveranstaltung am 28.5.2000 in München
Gedenkveranstaltung zum 1. Todestag von Aamir Ageeb
DeportationClass Stop!
Staub-Bernasconi: Gedenkveranstaltung zum 1. Todestag von Aamir Ageeb
Interreligiöse Gedenkveranstaltung zum 1. Todestag von Aamir Ageeb
Rückführungen auf dem Luftweg
Zum 1. Todestag von Aamir Ageeb
Erklärung des Fachbereichsrats zum Tod von Aamir Ageeb
Abschiebung: Klare Verantwortung herstellen
Rede bei der Demonstration in Hamburg
Wir trauern um Aamir Ageeb!!!
Wir trauern um Aamir Mohamed Ageeb!
Der Abschiebetod von Aamir Ageeb hätte vermieden werden können
Resolution der StudentInnen der KSFH München

Rückführungen auf dem Luftweg

Gewerkschaft der Polizei - Bezirk Bundesgrenzschutz, 04/2000

Rückführungen auf dem Luftweg

Immer noch zu viele ungeklärte Fragen

Vor fast einem Jahr starb der Sudanese Ageeb beim Versuch seiner Rückführung in das Heimatland. Ein traumatisches Ereignis, nicht nur für die eingesetzten Kollegen. Auch auf allen anderen Flughafendienststellen herrschte Betroffenheit.

Gleichzeitig wurde berechtigte Kritik laut: Seit Jahren wurden ungeklärte Fragen im Zusammenhang mit Rückführungen durch das Bundesinnenministerium schlichtweg ausgesessen. Bereits vor dem tragischen Todesfall am Frankfurter Flughafen hatte deshalb die Gewerkschaft der Polizei einen „Katalog ignorierter Probleme" erarbeitet und in „Deutsche Polizei" veröffentlicht. Dieser zweiundvierzig Positionen umfassende Katalog wurde auch dem Bundesminister des Innern überreicht. Die Abschiebungen auf dem Luftweg wurden kurzzeitig gestoppt und am 25. Juni 1999 wieder aufgenommen. Für den BGS-Hauptpersonalrat war dies im März Anlass, Staatssekretär Schapper, den Abteilungsleiter Dr. Kass sowie den Inspekteur des BGS zu befragen und auf Abhilfe zu drängen.

Am 18. Juni 1999 fand im Bundesinnenministerium eine Besprechung des Ministers mit Gerichtsmedizinern, Polizeiärzten, Vertretern der Präsidien und des Hauptpersonalrates statt. Nachfolgend wurden alle BGS-Beamten über das dort diskutierte sogenannte „P.A.-Syndrom" belehrt. Neun Monate später kann immerhin festgehalten werden, dass ein neuer Helm und ein neues Fesselungssystem sich im Prüfstadium (!) befindet.

Ein neuer Rahmenfortbildungsplan für Rückführungen wurde erarbeitet, kann jedoch noch nicht umgesetzt werden, weil die Fortbildungsinhalte immer noch nicht mit den Ländern abgestimmt sind.

Dringende Rechtsfragen, die die eingesetzten Beamten unmittelbar betreffen (z.B. Rechtsstellung in Drittstaaten, Rechtsschutz bei Festnahme im Zielland und Rechtsstellung an Bord) sind immer noch nicht befriedigend geklärt, weil die Abstimmung mit dem Bundesjustizministerium fehlt. Lediglich in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage (BT-Drucksache 14/1366) äußerte sich das Bundesinnenministerium – offensichtlich ohne Abstimmung mit dem Justizressort.

Die Dienstanweisung „Rückführungen von Ausländern auf dem Luftweg" wurde neu konzipiert, ist aber wegen der offenen Fragen nicht über das Entwurfsstadium hinausgekommen. Das „Merkblatt für die Begleitung von rückzuführenden Ausländern im Luftverkehr" wurde ebensowenig überarbeitet wie die Konzepte zur SV oder der Leitfaden 311.

Am 24. Juni 1999 wurde der überwiegende Teil der durch die GdP vorgelegten ignorierten Probleme durch das BMI an die Präsidien weiter geleitet. Deren Antworten lagen am 28. Juni 1999 vor. Ungeklärt sind die meisten nach wie vor, noch nicht einmal eine Antwort wurde der Gewerkschaft der Polizei zugestellt. Sowohl beim Routing über Drittstaaten als auch bei anderen drängenden Fragen, wie z.B. Abrechnungsprobleme, Arbeitszeitabrechnung und DuZ-Gewährung, Rechtsschutz, etc. - das BMI zeigte sich schlichtweg als nicht auskunftsfähig.

Zwischenfazit: Seit zehn Monaten wird wieder abgeschoben. In 5000 Fällen wurden im vergangenen Jahr Kolleginnen und Kollegen des BGS eingesetzt. Bei den mit der Rückführung Betrauten änderte sich seit dem Tod des Sudanesen nur eines: sie sollen (in nunmehriger Kenntnis des „P.A.-Syndroms") im Zweifel die Abschiebung abbrechen und keinen Integralhelm mehr benutzen. Viel mehr als diese Delegation von Verantwortung ist nicht feststellbar. Ein bisschen dürftig, oder? Die GdP wird hier weiter auf Abhilfe drängen. Denn es sind unsere Kolleginnen und Kollegen, die täglich in eine Verantwortung gestellt werden, die andere nicht wahrnehmen wollen.